NWZ Wesermarsch, 19.11.2008 PDF Drucken E-Mail

Wo Schweinehunde grunzen

BERNER BÜCHERWOCHEN - Marianne Pumb liest Gedichte und Geschichten

 

DIE LYRIKERIN KLEIDET DEN ALLTAG IN WORTE. IN DER PASTOREI SERVIERTE SIE AUCH EIN „EIS MIT ERDBEEREN“.

VON ANJA JOHANNSMEYER

BERNE - Seit ihrer Jugend schreibt Marianne Pumb Gedichte. Ihre Werke sind direkt und nicht immer von Poesie erfüllt. Sie sind ehrlich, ohne jedoch immer der Wahrheit zu entsprechen. Scharfe Beobachtungen aus dem Alltag – mal banal, mal intim, kleine familiäre Geschichten mit dem gewissen i-Tüpfelchen, aber auch politische Anmerkungen kleidet Marianne Pumb, sie wurde 1961 in Neubrandenburg geboren und lebt heute in Berlin, in Worte.

Etwas, was man zu DDR-Zeiten nicht wirklich mochte, dort wo sie aufgewachsen ist. Und weil Marianne Pumb nicht mochte, dass das SED-Regime es nicht mochte, ist sie halt Krankenschwester, Ehefrau und Mutter geworden. Erst nach dem Mauerfall durfte die Lyrikerin „Steinchenschmeißen und andere Bös-Artigkeiten“ auf Leser und Zuhörer loslassen.

So geschehen auch bei ihrer Lesung am Sonntagabend in der Berner Pastorei, wo Pumb bei den von Reinhard Rakow initiierten Berner Bücherwochen las. Mit Vergnügen lauschten die Gäste eine gute Dreiviertelstunde ihren Wortspielereien. Sie hörten von der im Bauchspeck sitzenden grunzenden Schweinehündin, die keinen Frühsport mag, von der Lebensmotte oder dem Frühlingssehnen, das über lichte Brücken stückeln stöckeln kann.

„Noch ein Gedicht!“, verlangten die Zuhörer als die Dichterin den Vortrag beenden wollte. Zum Nachtisch gab es auf Wunsch Rakows „Eis mit Erdbeeren“, eine Geschichte mit überraschendem Ende über eine Mutter und ihre Tochter, die sich nicht über den Gebrauch von derben Schimpfwörtern einigen können. „Ich wollte sie mitnehmen in das Auf und Ab der Achterbahnfahrt“, sagte Marianne Pumb erfreut darüber, dass alle eingestiegen und mitgefahren sind.